Welcome to Agility
eine kleine Reise in die agile Arbeitswelt

13.07.2020, Lesezeit ~ 11 Minuten

Denke agil, werde agil, arbeite agil. Der Begriff Agilität ist in aller Management Munde. Wer heutzutage modern und trendig sein will, schreibt sich agiles Arbeiten auf die Fahnen. Ist dein Unternehmen schon agil? Und was zum Teufel bedeutet überhaupt Agilität? Zeit, dass wir Klarheit schaffen. Let’s get back to the roots!

Woher kommt der Begriff Agilität? 

„Agilität“ hat seinen Ursprung in der Softwareentwicklung. 2001 waren Softwareentwickler auf der Suche nach neuen Ansätzen, um bei großen Projekten flexibel auf notwendige Veränderungen zu reagieren. In ihrem weltberühmten agilen Manifest forderten die Software-Spezialisten einen flexiblen Entwicklungsprozess, um Software schneller in den Einsatz zu bringen. So sollte bei der Softwareentwicklung beispielsweise der Fokus künftig mehr auf den Individuen und deren Interaktionen als auf den Prozessen und Werkzeugen liegen. Mit der Zeit merkte man auch außerhalb der Softwareentwicklung, dass ein agiles Vorgehen Vorteile für das Arbeiten mit sich bringt. So wurden agile Gedanken und Arbeitsweisen auch auf andere Branchen übertragen.

Ist Agilität für mein Unternehmen sinnvoll?

Es gibt immer wieder kleine Warnzeichen, die dir Hinweise geben, dass dein Unternehmen agiler werden sollte. Vielleicht werden Kundenerwartungen nicht immer erfüllt. Oder nicht in der gewünschten Zeit, weil die Prozesse in deinem Projekten zu schwerfällig sind. Spätestens wenn der Blick nach außen zeigt, dass der Wettbewerb an dir vorbeirauscht, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, einen agilen Wandel in Angriff zu nehmen.

Das Thema treibt vor allem die innovationsorientieren Bereiche in Unternehmen um. Agile Arbeitsweisen lohnen sich überall dort, wo Kundenanforderungen unklar sind bzw. sich ständig ändern. Überall dort, wo Innovations- und Produktzyklen aufgrund neuer Technologien immer kürzer werden. Die Welt ist heute einfach nicht mehr so plan- und steuerbar wie noch vor 100 Jahren. Agiles Arbeiten macht Unternehmen fit, früher und besser auf äußere Einflüsse reagieren und Fehler reduzieren zu können. Zum Beispiel in dem du in kleinen Zyklen mit häufigen Reflektionsphasen arbeitest.

Agiles Arbeiten heißt, gemeinsam als Team beweglich zu bleiben und auf unvorhersehbare Ereignisse zu reagieren.

Soviel zur Theorie. Du weißt noch nicht so ganz, wo du starten sollst, um agiler zu arbeiten? Ich zeige dir, was du beachten musst. Eines kann ich dir schon mal versichern:

Agilität beginnt im Kopf!

Wer agiles Arbeiten einführen möchte, ist mit einem Change in der Organisation und im täglichen Arbeiten konfrontiert. Aber jede Technik wird scheitern, wenn der Wandel nicht auch im Mindset stattfindet.

Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass Agilität in erster Linie eine Einstellungs- oder Kulturfrage ist. Es sichert nicht nur den Projekterfolg, wenn man agil vorgeht, es macht auch sehr viel Spaß, schnell und schlagkräftig in einem Projektteam zusammenzuarbeiten. (Christian Sturm, Daimler)

Hinter Agilität steckt viel mehr als nur das Einführen von neuen Arbeitsmethoden- und Prozessen. Agilität setzt voraus, dass auch deine Mitarbeiter*innen eine agile Denk- und Verhaltensweise annehmen und sich agil in ihrer Umgebung bewegen können. Wer “Ja” sagt zu Veränderungen und eine agile innere Haltung annimmt, handelt entsprechend. Menschen, die sich vor Veränderung verschließen und ihren Frieden im Schema F gefunden haben, werden in einem agilen Team wahrscheinlich sehr unglücklich. Gerade am Anfang treten immer wieder Probleme auf, sich von alten Strukturen zu lösen. Daher gilt:

Befähige deine Mitarbeiter*innen zur Selbstorganisation und Eigenverantwortung

Agil arbeitende Teams haben eines gemeinsam: Sie übernehmen die Verantwortung für ihr eigenes Handeln. Niemand kann sich bei einem Misserfolg damit herausreden, er hätte nur die Anweisungen befolgt. Das Team entscheidet gemeinsam, wann etwas wie gemacht wird. Klassische Hierarchie- und Zugehörigkeitsstrukturen werden aufgelöst. Entscheidend ist vielmehr, dass die Teammitglieder interdisziplinäre Kompetenzen einbringen, um innovativ zu denken und von allen Seiten reagieren zu können. Solch ein Team kann temporär oder dauerhaft gebildet werden und sollte aus maximal 10 Mitarbeiter*innen bestehen.

Die selbstorganisierten Teams spielen eine große Rolle, um flexibel auf Kundenbedürfnisse einzugehen.

Aber was können Führungskräfte dazu beitragen?

Stell dir vor, dass die klassische Hierarchiepyramide umgekehrt wird. Gefragt ist jetzt die von unten gestützte, breite Plattform, auf der die Mitarbeiter*innen erfolgreich arbeiten können. Führungskräfte delegieren nicht, sondern lassen ernsthaft los. Sie lernen zu vertrauen und Fehler zuzulassen. Aus Kontrolle und Anleitung wird Unterstützung und Ermutigung der Mitarbeiter*innen. Als Servant Leader inspirieren, befähigen und motivieren sie ihre Mitarbeiter*innen. Sie achten auch darauf, dass ihre Mitarbeiter*innen sich an ihre selbst gegebenen Regeln halten und greifen dort ein, wo die Selbstorganisation des Teams an seine Grenzen stößt. Wähle also insbesondere Mitarbeiter*innen aus, die ein hohes Maß an Eigenverantwortung mitbringen und einfordern. Sie sollten eine positive und offene Einstellung zu innovativen Denken und Arbeiten haben. 

Agiles Arbeiten bedeutet, von der Leiter herabzusteigen und seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe zu begegnen.

Eine transparente Kommunikation und eine starke Kundenfokussierung sind weitere zentrale Treiber im agilen Kontext. Agile Methoden helfen, diese Kundenzentriertheit in die Praxis umzusetzen und zu leben. Womit wir beim Stichwort sind:

Beziehe die Perspektive deiner Kund*innen mit ein

Denke beispielsweise in sogenannten “Userstories” (“Was könnte Persona Beate an der Stelle stören?”) und zeige maximale Empathie für deine Kund*innen (“Warum will Beate da nicht klicken? Was könnte sie hindern?”) Das Vorwärtsgehen in kleinen Schritten ermöglicht es dir, punktuell  auf Kundenwünsche zu reagieren und sich an eine Lösung heranzutasten. 

Du siehst: Beim agilen Arbeiten geht es darum, ständig zu analysieren und zu hinterfragen, was sich deine Kund*innen aktuell und in Zukunft wünschen. Diese kundenzentrierte Ausrichtung ist im digitalen Zeitalter so wichtig, weil der Kunde sonst einfach weg ist. Das für ihn bessere Angebot ist nur ein Klick entfernt, die Konkurrenz groß. Es gilt, die gesamte Organisation auf diesen Kundennutzen auszurichten. Man spricht auch von Human Centered Design.

Offene Kommunikation, einer der Schlüssel zum agilem Arbeiten.

Schnelle Anpassungen sind nur möglich, wenn erkannt wird, wo es Probleme gibt und welcher Handlungsbedarf entsteht. Daher sollten alle Beteiligten regelmäßig ihre eigenen Ideen, Fortschritte, Ideen und Informationen teilen. Beispielsweise erzählt in einem 15-minütiges “Daily Standup” jeder Mitarbeiter, an welcher Aufgabe er sitzt. Das Meeting ist auch eine Möglichkeit, um Hilfe und Unterstützung einzufordern. 

Wichtige Ergebnisse sollten auch nicht erst am Ende eines Projekts kritisiert und hinterfragt werden, sondern während der Bearbeitung. Führe daher beispielsweise eine Retrospektive ein, ein wöchentliches Meeting von 30 Minuten. Jeder Mitarbeiter beantwortet z.B. kurz drei Fragen zur gemeinsamen Arbeitswoche: Was ist ist gut gelaufen? Was sollte vermieden werden? Welchen Beitrag kann ich in der nächsten Woche leisten? Die Retrospektive ist wichtig, um kontinuierliche Verbesserungen in deinem Team anzustoßen und eine gesunde Fehlerkultur zu pflegen.

Es gibt viele weitere Methoden des agilen Arbeitens, die sich gerade am Anfang leicht umsetzen lassen und die Eingewöhnung erleichtern. Dazu zählen unter anderem Scrum und Kanban. In den kommenden Wochen erkläre ich dir, was es damit auf sich hat. Sei gespannt!

  

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