Arbeit & Spaß? Das geht – mit Gamification!
Lasst uns spielen!

04.03.2020
Lesezeit ~ 9 Minuten

Wir Menschen lieben es zu spielen. Egal, ob Computerspiele, Gesellschaftsspiele oder auch Glücksspiele – der Mensch besitzt von Natur aus einen Spieltrieb und versucht diesem in einer Art Wettbewerb nachzugehen, um seine Fähigkeiten und sein Können unter Beweis zu stellen. Basierend auf diesem menschlichen Verlangen fällt häufig der Begriff Gamification. Der Trend zeigt, dass dieser Begriff bei Google seit 2010 immer öfters gesucht wird. Was genau steckt hinter der Idee der Gamification und aus welchen Gründen wird sie von Unternehmen immer mehr als strategisches Instrument genutzt?

Interesse des Begriffs “Gamification” im zeitlichen Verlauf (Quelle: Google Trends)


Was bedeutet “Gamification”?

Let’s play a game!

Gamification (engl. für Spielifizierung) bezeichnet die Übertragung spielerischer Elemente auf andersartige Aufgabenbereiche und -prozesse, die üblicherweise in einem spielfremden Zusammenhang auftreten. So lässt sich beispielsweise ein Arbeitsfortschritt in Form eines fortschreitenden Balkens und einer steigenden Prozentzahl super darstellen, um der Person den Fortschritt auf einer spielerischen Art anzuzeigen.

Mit dem Einbinden von Designs und Spielmechaniken wird der natürliche Spieltrieb des Menschen ausgelöst und es lassen sich bestimmte Verhaltensweisen verändern. Spielerische Elemente führen dazu, dass ein Nutzer aktiv interagiert und seine Motivation für eine situative Angelegenheit steigt. Dabei werden mit dem strategischen Einsatz der Gamification nicht nur Gamer angesprochen, sondern vor allem auch Menschen, die sich eher unregelmäßig mit Spielen beschäftigen.


Welche Vorteile bringt euch Gamification?

Entscheidet ihr euch als Unternehmen, Gamification als strategische Maßnahme zu implementieren, so können sich positive Auswirkungen und unternehmerische Vorteile für euch ergeben. Ein großer Nutzen der Spielifizierung ist die Steigerung der Motivation des Nutzers. Dies ist vor allem für Marktforschungszwecke ein geeignetes Mittel, um den User beispielsweise durch eine Fortschrittsanzeige bis zum Ende einer Umfrage zu motivieren. Es führt aber auch zu Markenbekanntheit oder Kundenbindungen. Verbraucher möchten mehr als nur konsumieren. Durch eine gestiegene Erlebnisorientierung möchten sie heutzutage aktiv in individuellen Szenarien interagieren und so eine lebhafte Verbindung zu eurer Marke herstellen. Für den internen Bereich eignen sich einige Methoden, um Rekrutierungsmaßnahmen zu verbessern oder die Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation zu steigern.

Beat yesterday!

Der Einsatz von spielerischen Elementen kann also gerade in der Arbeitswelt entscheidende Vorteile liefern und sowohl eure Mitarbeiter, als auch Lieferanten, Konsumenten oder andere Personen in verschiedenen Bereichen und bei unterschiedlichen Aufgaben motivieren und beflügeln. Vor allem die Verhaltensbeeinflussung kann ein wichtiges Kriterium sein, um Gamification einzusetzen. Viele Menschen lassen sich eher dazu motivieren, z. B. etwas für die Umwelt zu tun, wenn sie dabei einen spielerischen Ansatz verfolgen. Das spielerische Lernen zeigt, dass wir Menschen eher dazu geneigt sind, bereitwillig und effizient zu lernen, wenn das Lernen mit einem Spiel verknüpft ist.

Es ist also mit Sicherheit lohnenswert, die Gamification in Alltagssituationen einzusetzen, die üblicherweise nicht mit Spielen verbunden sind. Aber lassen sich Spielelemente so einfach einbauen oder werden viele Anforderungen dafür benötigt?


Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

In vielen Unternehmen ist es durchaus sinnvoll, Gamification mit in die alltäglichen Kernbereiche einfließen zu lassen – sowohl intern, als auch extern. Dennoch müsst ihr einige Voraussetzungen erfüllen und ein paar Schritte bedenken.

Die wohl älteste Gamification-Technik. Wähle deinen Weg: A oder B?

Am Anfang von allem steht die Problemstellung, die mithilfe der Gamification gelöst werden soll. Ihr solltet klar definieren, welche Probleme es in eurem Unternehmen gibt und welche Ziele ihr mit dem Einsatz von spielerischen Elementen verfolgt. Dabei sollten alle relevanten Personen involviert sein, die auch später mit dem Einbinden der Gamification beschäftigt sein werden. Daraufhin muss eine klare und ausführliche Zielgruppenanalyse durchgeführt werden, um alle wichtigen Informationen, hinsichtlich Bedürfnisse, Absichten, Einstellungen etc., über die Zielgruppe zu erfahren. Dabei kann es sich bei der jeweiligen Zielgruppe um Endverbraucher, aber auch um die eigenen Mitarbeiter handeln. Nur wenn die Zielgruppe richtig und präzise definiert ist, kann ein Gamification-Konzept an ihr ausgerichtet werden. Durch die genaue Spezifizierung der einzelnen Personen lassen sie sich besser in Kategorien und Spielertypen einordnen.

Auf Grundlage dieses Kenntnisstands und angepasst an der Zielgruppe lässt sich ein genaues Spiel-Konzept entwerfen und in eine Game-Engine implementieren. Die Game-Engine kann auf einem eigenen internen Server oder auch als SaaS (Software-as-a-Service) bei einem externen Anbieter betrieben werden.

Bevor ihr das finale Gamification-Konzept veröffentlicht, solltet ihr ein Testing durchführen. Auch hier könnt ihr euch entscheiden, ob es in den eigenen Reihen durch interne Mitarbeiter getestet werden soll, oder, ob dafür eine außenstehende Gruppe gewählt wird. Beides ist möglich, aber auch hier sollten die ausgewählten Tester der Zielgruppe entsprechen. Anhand der Versuchsergebnisse, könnt ihr das Konzept anpassen. Denkt aber immer daran, dass ein falsch gewähltes Konzept der Gamification auch negative Auswirkungen auf euer Unternehmen haben kann und die oben aufgezählten Schritte dementsprechend detailliert und sorgfältig ausgearbeitet werden müssen.


Gamification im HR-Bereich

Der Einsatz von Gamification ist besonders im HR-Bereich ein populäres Mittel, um die Motivation eurer Mitarbeiter zu steigern, Weiterbildungen attraktiv zu gestalten und Recruiting Maßnahmen auf eine interessante Weise durchzuführen. Aber auch durch die Kommunikation einer spielerischen Unternehmenskultur nach außen lässt sich z. B. das Employer Branding stärken. Die Zufriedenheit eurer Mitarbeiter kann gesteigert werden, indem sie sich anhand von Spielen oder kleinen Wettbewerben zusätzliche Arbeitstage verdienen können. Wichtig ist dabei, dass die Mitarbeiter durch die spielerische Anwendung für etwas belohnt werden und nicht einer Strafe entgehen.

Na, wer hat Lust sich ein kleines Power-Up zu verdienen?

Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie sich zu etwas gezwungen fühlen und dies den Effekt der Unzufriedenheit und Frustration zur Folge hat. Es hat aber nicht nur einen positiven Nutzen für den individuellen Mitarbeiter, sondern stärkt auch die Atmosphäre innerhalb des Teams, sorgt für einen höheren Teamspirit und steigert die Lust und den Willen gemeinsam als Team Erfolge zu feiern. Auch Teambuildings oder andere Events können eine Art der Gamification sein. Durch das Zusammenkommen und das spielerische Denken der Mitarbeiter innerhalb eines Teams wird der Zusammenhalt gestärkt und es fördert das Arbeitsklima positiv. So lässt sich auch in Zukunft die Strömung an Herausforderungen und Aufgaben gemeinsam als Team lösen.

Hinzu kommt, dass die Gamification für mehrere Generationen geeignet ist und eben nicht nur für Millennials oder die Generation Z, die ohnehin schon in einer spielerischen, modernen Welt aufgewachsen sind. Gerade ältere Generationen haben Gefallen daran gefunden, spielerische Ansätze in eher spielfremden Bereichen zu nutzen, weil sie sich ohnehin schon seltener mit Spielen beschäftigen, als die jüngeren Generationen. Natürlich ist es auch hier von dem jeweiligen Konzept abhängig und muss an die Zielgruppe angepasst werden.

Gamification lässt sich also auch sehr gut im HR-Bereich von Unternehmen integrieren und schafft es, ein „Must-Do“ in ein „Wanna-Do“ umzuwandeln.


Große Unternehmen gehen voran

Die Methode der Gamification ist nicht nur ein arbiträr gewähltes Mittel, das vielleicht irgendwann einmal in der Zukunft eingesetzt werden kann. Bereits einige große Unternehmen nutzen den Einsatz als vorteilhaftes Instrument.

Ein gutes Beispiel für die Verknüpfung zwischen Gamification und der Mitarbeiterrekrutierung bietet Unilever. Um den Kontakt zu potenziellen Bewerbern herzustellen, stellen sie ihre Marke Ben & Jerry’s auf eine interaktive und anschauliche Weise vor, indem sie dem Nutzer vorab einen Einblick in die Vermarktung und Produktion der Marke verschaffen. Der Anwender lernt so das Unternehmen und die Marke näher kennen und kann sich mithilfe spielerischer Elemente einen exklusiven Eindruck verschaffen. Für die Kundenbindung gibt es beispielsweise verschiedene Quiz-Arten, wie “Welche Sorte passt am besten zu deinem Film?”.

Der Sportartikelhersteller Nike zeigt mit seinem Laufprogramm Nike+ wohl eines der besten Exempel, wie die Gamification zur Kundenbindung verhilft. Mit der Lauf-App können Nutzer ihren Trainingsfortschritt individuell dokumentieren, teilen und sogar mit anderen Nutzern vergleichen. Hier zeigt sich ebenfalls, dass Verwender durch den Wettbewerb angespornt werden, ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Das dritte Beispiel ist Amazon. In den letzten Jahren gab es häufig Kritik für den Online Versandhändler bezüglich der Arbeitsbedingungen. Mit dem Ansatz der Gamification versucht man an diesem Negativ-Image zu arbeiten und die Motivation der Mitarbeiter mithilfe von spielerischen Möglichkeiten zu steigern. Die Idee hinter dem Konzept ist folgende. In jeweils fünf verschiedenen Versandzentren, u. a. in Manchester und Seattle, wurden Bildschirme aufgebaut, auf denen die Mitarbeiter genau verfolgen konnten, welche Auswirkungen ihre Aktivitäten haben. So wird zum Beispiel jeder Artikel, den sie nehmen und in ein Paket legen, als Stein in einer Festung angezeigt – ganz nach dem Prinzip von Tetris. Oder sie befinden sich mitten in einem Wettrennen und durch das Zusammenstellen eines Pakets werden ein paar Meter bei dem Wettlauf gutgemacht. Bei den Spielen können zwei Mitarbeiter oder ganze Teams gegeneinander antreten. Auch hier ist das Ziel des Konzepts, dass die Mitarbeiter Spaß am Arbeiten bekommen, ihre Motivation und somit auch die Produktivität steigt.


Grenzen der Gamification

Sorry, but NO!

Auch wenn es einige Bereiche gibt, die in der Regel nicht mit dem Einsatz von Gamification verbunden werden, sich aber trotzdem als nützlich erweisen, gibt es dennoch auch Grenzen und Hindernisse. 

Ist ein Arbeitgeber mit der Arbeitsweise oder den Resultaten eines Mitarbeiters unzufrieden, sollte das persönliche Gespräch gesucht werden, fernab von jeglichen spielerischen Faktoren. Und es gibt einige Prozesse, die sich einfach nicht mit Gaming-Softwares verwalten lassen, wie z. B. die Gehaltsabrechnung. Außerdem lassen sich manche Menschen nicht zum Spielen zwingen. Es ist hier auch nicht gewinnbringend, sie zu überreden, denn wenn sie von Anfang an schon eine Abwehrhaltung gegenüber Gamification haben, sind sie unmotiviert und der Effekt ist nicht zielführend. 

Es kommt darauf an, wie das Konzept der Gamification aufgebaut wird. Kommt es z. B. durch den spielerischen Einsatz zu einem zu hohen Wettbewerbsdruck innerhalb des Unternehmens und liegen Mitarbeiter nach einer gewissen Zeit weit hinter Kollegen, so macht es für sie eher weniger Spaß und es führt zu kontraproduktiven Ergebnissen. Die Motivation sinkt und sie verlieren die Lust am Arbeiten. 

Überlegt euch also immer von Beginn an, wen ihr mit der Gamifizierung ansprechen wollt und ob es grundlegend überhaupt Sinn macht. Denn fällt euch sofort auf, dass diese Art Mensch gar nicht für das Konzept geschaffen ist bzw. sich nicht davon überzeugen lässt, so braucht man es gar nicht erst versuchen und man spart sich Zeit und Aufwand.


Unser Fazit

Der Einsatz von Gamification in einem spielfremden Umfeld kann einem Unternehmen viele Vorteile bieten – so lang es detailgenau konzipiert und passend integriert wird. Allerdings kann Gamification nicht von einen auf den anderen Tag angewendet werden, denn es handelt sich um einen fortlaufenden Prozess. 

Ihr müsst euch deutlich machen, wieso ihr Gamification in eurem Unternehmen integrieren wollt, sei es extern oder intern. Dabei muss klar hervorgehen, wie eure Zielgruppe, die zukünftig mit dem spielerischen Element interagieren soll, denkt und handelt. Nur durch eine tiefgründige Analyse kann ein zielführendes Konzept entworfen werden. 

Die Integration der Gamification kann euch entscheidende Vorteile liefern. Im externen Bereich kann sie zu Markenbekanntheit und Kundenbindung führen und euch ebenfalls für Marktforschungszwecke nützlich sein. Im internen Bereich dient es zur Steigerung der Mitarbeitermotivation und kann folglich in Mitarbeiterbindungen resultieren. Durch den Gamification-Ansatz lassen sich Teambuildings, aber auch Mitarbeiterrekrutierung interessanter und positiver gestalten. Grundlegend soll es dem Nutzer Freude bereiten und seine Motivation steigern. 

Denkt aber immer daran, warum, wie und wann ihr Gamification einsetzen wollt. Holt euch ein Expertenteam in das Unternehmen, das in diesem Themengebiet erfahren ist. So könnt ihr gewährleisten, dass ihr eure Ziele erreicht und keinen negativen Auswirkungen eintreten. 

Wie steht ihr zu dem Thema Gamification? Würde es bei eurem Unternehmen Sinn machen, spielerische Elemente in bestimmte Bereiche zu integrieren? Schreibt uns gerne an.



Bildquellen:
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