“Wer auf Unmenschlichkeit steht, ist hier richtig.”
Do's and don'ts auf Kununu & co: So reagierst du richtig auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen

17.03.2020
Lesezeit ~ 11 Minuten

Wir leben in einer Bewertungsgesellschaft, in der es keine Vorhänge mehr zum zuziehen gibt. Nicht nur beim Kauf eines Elektrogeräts oder bei der Buchung eines Hotels vergleichen Internetnutzer, welche Erfahrungen mit einem Angebot gemacht wurden, sondern auch bei der Wahl des Arbeitgebers. Jeder dritte Arbeitnehmer ist mittlerweile auf der Suche nach authentischen und individuellen Bewertungen zukünftiger Arbeitgeber. Gerade mittelständische Unternehmen profitieren von der Sichtbarkeit überwiegend positiver bestehender Bewertungen, da dies qualifizierte Bewerber anzieht.

Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um negative Bewertungen möglichst zu umgehen? Wie sollten Arbeitgeber auf negative Bewertungen reagieren? Wir zeigen die wichtigsten Arbeitgeber-Bewertungsportale auf und geben dir wertvolle Tipps für eine Reputation als attraktiver Arbeitgeber.

Die führenden Plattformen für Arbeitgeberbewertungen in Deutschland

Kununu ist der Marktführer im deutschsprachigen Raum unter den Bewertungsportalen. Auf der 2007 gegründeten Bewertungsplattform können Arbeitnehmer neben Sternebewertungen anonym textliche Bewertungen zum Thema Führung, Unternehmenskultur und gebotenen Lohnnebenleistungen geben. Da Kununu ein Tochterunternehmen des Business-Netzwerkes Xing ist, können Mitarbeiterbewertungen entweder über Kununu direkt oder über Xing erfolgen. Als Arbeitgeber sind Kommentare auf Bewertungen und Antworten auf gestellte Fragen kostenfrei möglich. Der Upload von Fotos und weiterführende Beschreibungen sind jedoch kostenpflichtig.

Auf dem amerikanischen Anbieter Glassdoor welcher sich seit 2015 in Deutschland etabliert hat, können die Bewertungen nur mit einem vorhandenen Account vollständig eingesehen werden. Dafür ist nicht nur das Einsehen von Bewertungen und die Kommentarfunktion kostenfrei, sondern auch das Erstellen eines Unternehmensprofil und das Bereitstellen von Fotos.

Indeed bietet neben der Möglichkeit, offene Stellen zu inserieren auch Arbeitgeberbewertungen an. Aufgrund seiner Bekanntheit als Online-Jobbörse kommen zahlreiche Jobsuchende Person mit den Bewertungen in Kontakt, weshalb es sich um einer der wichtigsten Bewertungsportale handelt. Du kannst auf Indeed zwar kostenlos das Unternehmensprofil aktualisieren, jedoch nicht auf Bewertungen eingehen oder auf Lob und Kritik reagieren.

Prävention von negativen Bewertungen

Was sich zunächst banal anhört, ist enorm wichtig: Möchte man als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden, muss man auch ein guter Arbeitgeber sein. In dem du intern für ein positives Betriebsklima sorgst, und deine Mitarbeiter gut behandelst, kannst du negatives Feedback auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen im Vorfeld umgehen. Internes Employer Branding muss also Voraussetzung für externes Employer Branding sein.

Ein erfolgreiches internes Employer Branding erreichst du durch die Schaffung von Anreizen, die zur Kultur passen. Dies sind beispielsweise flexible Home-Office Möglichkeiten, individuelle Karriereperspektiven, die Stärkung von Eigenverantwortung oder auch Gehaltserhöhungen. Diese Anreize müssen von der Geschäftsführung und von verschiedenen Abteilungen, wie HR und interne Kommunikation kommuniziert werden. Gestalte zudem regelmäßig interne anonyme Umfragen zur Überprüfung der Mitarbeiterzufriedenheit.

Arbeit kann durch das richtige interne Employer Branding auch Spaß machen!

Zufriedene Mitarbeiter als Aushängeschild für eine attraktive Außenwirkung

Nur wenn die Arbeitgebermarke intern aufgebaut, gefestigt und gelebt wird, spiegelt sich dies auch extern authentisch auf Bewertungsportalen wieder. Mitarbeiter, welche sich mit dem Unternehmen identifizieren können, fühlen sich emotional an das Unternehmen gebunden und geben daher auch eher positive Bewertungen ab. 

Tendenziell äußern sich frustrierte Mitarbeiter viel häufiger als Zufriedene. Hole daher aktiv deine Mitarbeiter ins Boot, um neue Talente zu gewinnen. Lasse zufriedene Mitarbeiter beispielsweise nach der Probezeit auf den aufgezeigten Plattformen bewerten. Negative Äußerungen lassen sich nie ganz verhindern, aber die Wahrscheinlichkeit wird erheblich verringert.

Und wenn die Bewertung doch negativ ausfällt? So solltest du nicht reagieren

“Mehr Schein als Sein… genau diese Beurteilung geben wir sehr gerne an Sie, sehr geehrte Ex-Azubine, zurück. Überwiegend wurden diese Azubis nach der Ausbildung auch übernommen. Allerdings setzt dies nicht nur fachliche, sondern auch menschliche Qualitäten voraus.” (Zitat!)

Hier zeigen wir zunächst ein Negativbeispiel eines Handelsunternehmens, welches nach der Bewertung einer Ex-Auszubildenden, die ihre Enttäuschung über ihre Nicht-Übernahme äußerte, sehr ausfallend wurde. Reagiere wie in diesem Beispiel auf keinen Fall beleidigend oder aggressiv. Verzichte darauf emotional aufgeladen und spontan zu antworten. 

Auch eine Standardantwort mit einem einfachen Dankeschön und einer Einladung zum weiteren Dialog genügt nur, wenn es sich um eine kommentarlose Bewertung handelt und der Arbeitnehmer in sämtlichen Kategorien einen Stern vergibt. Für Interessenten sind Standardantworten allerdings ein klares Indiz dafür, dass Arbeitgeber die öffentliche Kritik nicht richtig ernst nehmen. Im schlimmsten Fall kannst du sogar einen Shitstorm auslösen, wenn du auf jede Beurteilung mit immer dem gleichen Text antwortest. 

Mit Zurückhaltung tust du dir ebenfalls keinen Gefallen. Ein Profil von einem Arbeitgeber mit fast nur negativen Bewertungen und keiner Reaktion schreckt potentielle Bewerber ab.

Wegschauen wie dieses Äffchen ist nicht die Lösung.

Such den Dialog und setze dich gezielt mit negativem Feedback auseinander

Der richtige Umgang mit Kritik ist für Bewerber meist ausschlaggebender als die Kritik selbst. Gehe professionell  und sachlich auf kritische Bewertungen ein, und zeige dich als Arbeitgeber, der Feedback ernst nimmt und darauf antwortet. Führe lösungsorientiert einen Dialog mit den Bewertenden und gehe empathisch und offen mit jeder Kritik um.

Du erzielst mehr Glaubwürdigkeit, in dem du zeitnah im Rahmen von 24 Stunden eine persönliche Mailadresse oder eine Telefonnummer angibst, und denjenigen aufforderst, sich bei dir zu melden. Eine kritische Diskussion sollte besser ins Unternehmen verlagert werden, als dass sie extern auf dem entsprechenden Bewertungsportal ausgetragen wird.

Und zum Schluss: Betrachte Kritik als Chance für Verbesserung

Grundsätzlich solltest du die Beurteilungen als Möglichkeit zur Verbesserung erachten, da diese konkrete Themen zeigen, mit denen sich Mitarbeiter auseinandersetzen. Sei ehrlich zu dir: Erhalten die Äußerungen des unzufriedenen Mitarbeiters eventuell einen Funken Wahrheit? Frage bei negativen Bewertungen intern bei deinen Mitarbeitern nach, ob sie der gleichen Meinung sind und zeige dass du offen für konstruktive Kritik bist. 

Suche auch das Gespräch zu schwarzen Schafen, welche auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Unwahrheiten verbreiten und Frust ablassen. Reagiere auch auf diese Bewertungen und stelle die Dinge richtig, um gegenüber potentiellen zukünftigen Mitarbeitern deine Reputation zu wahren.

Schwarze Schafe gibt es leider immer. Und diese erfordern besonders viel Aufmerksamkeit.

Welche Erfahrungen hast du mit Arbeitgeber-Bewertungsportalen gemacht? Wie gehst du mit Bewertungen von Arbeitnehmern um? Sprecht uns an oder schreibt uns auf LinkedIn.




 



Mehr zu #HR
Snapchat

Snapchat

So vermittelst du deiner Zielgruppe die Kunst des Augenblicks