Fire Gently
So sieht die korrekte Kündigung aus

08.05.2020
Lesezeit ~ 9 Minuten

Timo ist 32, Familienvater und seit 6 Jahren als Buchhalter in deinem Unternehmen tätig. Dir steht die ehrenvolle Aufgabe bevor, Timo in einem persönlichen Gespräch zu kündigen. Du – der unerbittliche, gefühlstote Mensch mit dem “Gefeuert”-Stempel in der Hand, der sich danach genüsslich einen Boni ausschüttet für seine Hohe Kunst des Existenz-Zerstörens. Es könnte so viel Spass machen, Machtpositionen zu beziehen, wenn alles so wäre wie in den Filmen. Genauso werden Entscheider oft karikiert.

Ein unangenehmes Gefühl baut sich in dir auf, denn der bevorstehenden Kündigung steht leider noch etwas im Weg: eine Viertelstunde und dein Gewissen. Das spielt in dem Flurfunk-Trailer deines Teams meist keine Rolle – aber in dem Drehbuch das dein Kopf gerade schreibt – die Hauptrolle. Das Gespräch hast du sicher schon mehrfach im Kopf geprobt, als wäre es die Hauptrolle im nächsten Iron Man, nur dass du nicht darauf aus bist den Bösen zu spielen. Du machst dir Gedanken um Timo, um seine Familie, die Teamdynamik, um die Kritik, die danach zu deiner Rolle geschrieben wird.

Ich kann mir vorstellen, dass Kündigungen wirklich ein sehr belastender Teil deines Jobs sind. Deswegen habe ich mich mal umgehört, wie andere Personalverantwortliche mit Kündigungen umgehen. Im Gegenzug habe ich auch Arbeitnehmer*innen angehört um zu erfahren, was sie sich eigentlich von einer fairen Kündigung erhoffen. Ich möchte dir gerne ein paar Insights meiner Befragung geben, um diese ungeliebte Herausforderung für dich und deine Mitarbeiter*innen zu entschärfen.

“Ich wünsche mir ein offenes Gespräch auf Augenhöhe.”

Ganz gleich, welche Ursache die Kündigung hat, die Message ist eindeutig: Arbeitnehmer*innen wünschen sich (auch im negativen Kontext): Respekt und Wertschätzung. Ein befragter Personalverantwortlicher zeigt mir, wie er diesem Bedürfnis entgegenkommt: Er muss einen Mitarbeiter kündigen, der lange für das Unternehmen gearbeitet hat und in einer anderen Stadt lebt. Er nimmt sich Zeit, um hinzufahren und mit ihm persönlich zu sprechen. Eine persönliche Kündigung auf Augenhöhe hat eine ganz andere Wirkung auf den Arbeitnehmer, als wenn diese rein schriftlich erfolgt wäre. Wie würdest du mit so einem Fall umgehen?

“Ich wünsche mir einen wertschätzenden Abschied.”

Für die befragten Arbeitnehmer*innen gehört auch ein respektvoller Abschied zu einer fairen Kündigung. Im Falle einer Kündigung fragt man sich wahrscheinlich, was “danach” geschieht und nimmt Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Job dankend an. Ein Personalverantwortlicher gibt an, dass er sich bei Kündigungen daher immer genug Zeit nimmt, um offene Fragen zu klären. Er ist darauf vorbereitet, dass die Gekündigten nach Referenzen fragen. Ein wohlwollendes Zeugnis erhöhe schließlich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Keiner möchte plötzlich ganz allein in der Arbeitsmarktwildnis ausgesetzt werden.

“Die Vermittlung zu einem anderen Arbeitgeber kann eine Möglichkeit sein, den Gekündigten zu unterstützen.” Der befragte Personalverantwortliche macht dies jedoch stark von dem Kündigungsgrund des Betroffenen ab: Einerseits möchtest er niemanden an seiner Karriere hindern, andererseits möchtest er seinen Kontakten nicht jemanden vermitteln, um herauszufinden dass es woanders auch nicht funktioniert.

“Ich kam aus dem Urlaub und hatte die Kündigung im Briefkasten. Ich wünschte, jemand hätte mit mir gesprochen.”

Vom plötzlichen Wegfall ihres Jobs überrascht zu werden, ist der Alptraum jedes Arbeitnehmers. Häufig thematisieren sie, dass sie durch genügend Zeit im Vorlauf die Möglichkeit haben, sich nach einem neuen Job umzusehen. Auch möchten sie im Vorfeld erfahren, ob sie selbst die Möglichkeit haben, den Kündigungsgrund aus dem Weg zu räumen: “Ich wünsche mir konstruktives Feedback, was ich zukünftig besser machen kann.” Ganz gleich, ob es zum Beispiel an der Leistung oder an der Sozialkompetenz hängt, hilft es schließlich jedem, konkrete Situationen und Themenfelder aufgezeigt zu bekommen, um sich zu verbessern. Warum werden Kündigungen oft “fristgerecht” – das heißt möglichst ohne Vorlaufzeit für den Arbeitnehmer kommuniziert? Haben Personaler Angst vor einer Trotz- oder Rachehandlung? Wieviel Vorlaufszeit gewährst du deinen Angestellten? Ist das eine individuelle Entscheidung?

Eine plötzliche Kündigung lässt viele Arbeitnehmer in eine Schockstarre verfallen.

“Mitarbeiter wünschen sich bei der internen Kommunikation der Kündigung miteinbezogen zu werden”

Im Falle einer Kündigung werden bei den übrigen Teammitgliedern wahrscheinlich Fragen nach der Ursache der Kündigung aufkommen, die Gerüchteküche fängt an zu brodeln. Je nachdem werden sich die anderen Teammitglieder vielleicht unwohl fühlen, weil ihnen der Mitarbeiter nahe stand. Oder vielleicht auch erleichtert, dass der “Low Performer” endlich weg ist. Daher war es mir wichtig, Meinungen und Erfahrungen zur internen Kommunikation einer Kündigung anzuhören.

Ein Personalverantwortlicher gibt mir den Hinweis: “Entscheide in ganz enger Abstimmung mit dem gekündigten Mitarbeiter, wie er seine Kündigung kommunizieren möchte. Eine vertrauliche Runde, die es vorab oder parallel erfährt scheitert fast immer. Erst wenn der Betroffene Bescheid weiß, darf es weitergehen. Je nach Situation ist er vielleicht gewillt, seine Kündigung selber zu kommunizieren. In sehr gut gehändelten, selten Fällen, ist er sogar bereit, seinen Ersatz vorzustellen.” Betroffene wünschen sich also, bei der Entscheidung wie die Kündigung ans Team kommuniziert werden sollte, mitzuwirken. Grundsätzlich geht aus der Befragung ein Wunsch nach einer zügigen Kommunikation der Kündigung mit wenig “Tamtam” hervor. Eine mangelnde Kommunikation kann allerdings zu sehr viel Unsicherheit und auch Unverständnis im Team führen.

 Wenn nicht klar ist, warum jemand gekündigt wurde, macht sich das Team Gedanken.

“Bin ich der nächste?”

Durch die Kündigung eines Mitarbeiters kommt bei den übrigen Teammitgliedern schnell die Angst auf, “der oder die nächste zu sein”. Diese Situation ist sowohl für dich, als auch für deine Mitarbeiter*innen nicht gerade angenehm und motivierend. Ein befragter Personalverantwortlicher sagt mir, dass er seine Mitarbeiter beruhigt, indem er ihnen versichert dass der Ex-Mitarbeiter schnell wieder beruflich auf die Beine kommt. Indem er sich wertschätzend für die Zusammenarbeit bedankt, lockert er die angespannte Atmosphäre auf. Wenn keine weiteren Kündigungen geplant sind, sei es außerdem wichtig, offen zu kommunizieren, dass die Arbeitsplätze des Teams sicher sind.

Lässt dich eine Kündigungssituation auch zusammenzucken?

Einen Mitarbeiter zu kündigen steckt niemand einfach so weg. Eine perfekte Kündigung gibt es einfach nicht, aber mit Sicherheit noch viel Diskussionsbedarf. Wie gehst du mit diesem sehr belastenden Thema um? Wir möchten deine Meinung hören. Sprich uns an oder schreib uns auf LinkedIn!

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen unserer Umfrage!

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